Samstag, 25.05.2013

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Peipusseeland


PEIPSIMAA– Das Peipusseeland – ist ein besonderer Ort, vor allem Wegen seiner einzigartigen Kultur und Geschichte. Diese Gegend hat besondere Einwohner und besondere Traditionen, zahlreiche kultur-historische Objekte und unberührte Landschaften die zum Entdecken einladen.

 

Diese Region trägt verschiedene Namen – “der Peipus-Rand”, die Peipusküste, die Länder am Peipus usw., die alle die Gebundenheit dieser Gegend an die Küste ausdrücken. Der Name Peipsimaa beschreibt jedoch ein breiteres Konzept – es bezieht sich auf eine besondere Kulturlandschaft, die nirgendwo anders gefunden werden kann.

 

Der russische Name von Peipsimaa ist Причудье, welcher aus dem russischen Namen des Peipussees hervorgeht – Чудское озеро, “Der See der Tschuden”. Und wenn man von Russland aus schaut, dann beschreibt Причудье ziemlich genau die Westküste des Peipus – wo auch bis heute viele Russischsprachige leben.

 

Im Estnischen wurde der Ausdruck “Peipsimaa” zum ersten mal von der Ethnographin Aliise Moora in ihrer Forschungsarbeit „Peipsimaa etnilisest ajaloost“ (Über die ethnische Geschichte des Peipusseelandes) in 1964 benutzt.

 

Dabei bezieht sich Peipsimaa u.a. auf den größten See Estlands – an der Grenze zu Russland, welcher der viertgrößte See Europas ist (3555 Km2).

 

Der See besteht aus 3 deutlichen Teilen. Der nördlichster Teil ist auch der tiefste – der eigentliche Peipussee (Suurjärv), übersetzt als Großer See – mit einer Fläche von 2611 Km2. Der südliche Teil ist der Pihkva-See und hat eine Fläche von 708 Km2. Der schmale Teil zwischen den beiden ist der tiefe See Lämmijärv (minimale Breite: 3 Km), mit einer Fläche von nur 236 Km2. Am Hafen von Mehikoorma erreicht der Lämmijärv seine maximale Tiefe von 15, 3 Metern.

 

Es fließen insgesamt 240 Flüsse, Ströme und Kanäle in den Peipussee, der größte davon ist Suur Emajõgi (Groß-Embach). Der einzige ausfließender Fluss ist der wasserreiche Fluss Narva. Wegen seine Größe hat der Peipussee auch recht bemerkenswerten Einfluss auf das dortige Klima: Im Herbst bleibt das Wetter länger warm, aber der Frühling bricht bis zu zwei Wochen später ein.

 

Der Peipussee war schon immer ein guter Fischsee und bekannt für seine Brachsen, Zander, Felchen, Aalmutter, Tintenfische usw. Fischerei war seit Jahrhunderten die wichtigste Einnahmequelle der Einheimischen von Peipsimaa – viele mit der Fischerei verbundenen Traditionen leben noch bis heute weiter. Der See ist auch ein wichtiger Lebensraum für Vögel – mehr als 100 Wasser- und Moorvogelarten leben hier.

 

Ausgedehnte Wälder von Alutaguse befinden sich am nördlichen und nordwestlichen Ufer des Sees, die Sandküsten sind mit der Zeit zum beliebten Ausflugsziel im Sommer geworden. Die nördlichen und südlichen Uferlandschaften von Peipussee sind sehr unterschiedlich. Die nördlichen Küstenstreifen wie z.B. in Kauksi, haben sandige Ufer und Dünen, wobei die südlichen Teile zugewachsen und sumpfig sind. Das hat mit der Hebung der Erdoberfläche zu tun, die am Nordufer schneller geschieht als am Südufer. Und deswegen fließen die Wässer langsam Richtung Süden und überfluten dabei neue Gebiete.

 

Die Entstehungsgeschichte von Peipussee ist mit vielen Sagen und Mythen verbunden.

 

In Wirklichkeit ist der See in der Eiszeit von zurückziehenden Gletschern als eine niedrige, riesengroße Mulde geformt worden. Anhand historischer Beweise kann man nachweisen, dass diese Gebiete bereits nach der letzten Eiszeit von den Vorgängern von den estnichen und anderen ostseefinnischen Stämmen, die die Russen Tschuden nannten, besiedelt wurde.

 

Der bekanntesten Legende nach wurde der Peipussee vom Kalevipoeg, dem estnischen Nationalheld, geschaffen.

 

Da unsere Nachbarn aus dem Osten das hiesige Land oft plünderten, hat es Kalevipoeg dermassen aufgebracht – dass es sich eines Tages entschied, dem ein Ende zu setzen. Er grub einen riesigen Graben zwischen die zwei Länder, das sich mit Wasser füllte. So entstand der Peipussee. Die ausgegrabene Erde streute er über Südestland – daraus entstand die wunderschöne Kuppellandschaft wie wir sie heute kennen.

 

Viele Orte um Peipussee sind mit Kalevipoeg verbunden: Die Steinreihen in Lohusuu, Ninasi, Rannamõisa und Nina – ‘Augen von Kalevipoeg’ genannt; oder die Schleudersteine von Kalevipoeg in Mustvee (Narva Str.) oder zwischen den Dörfern Omedu und in Sääritsa. Seine Gräber findet man sowohl in Alatskivi als auch in Torma. Am Fluss Kääpa, wo er angeblich starb, sieht man sein Schwert. Mehr Infos dazu bekommen Sie im Museum von Kalevipoeg.

 

Die Dauerausstellung “Das Lebende Raum vom Peipussee” im Peipsi Besucherzentrum in Kasepää bietet einen guten Überblick über den See und die Region – die Ausstellung wird immer erneuert und vervollständigt, Informationen gibt es auf Estnisch, Englisch und Russisch.

 

Im kulturellen Kontext gibt es noch eine interessante Tatsache: Am Ende des 1. Millenniums wanderten aus der Gegend um Fluss Dnjepr einige slawische Stämme aus und erreichten die Ufer von Peipussee. Einige davon zogen Richtung Westküste weiter.

 

Darüber hinaus hat der Peipussee auch weitere Migrationswellen gesehen – was aber bis heute einen herausragenden Einfluss auf das leben am Peipussee hat – ist die Auswanderung der russischen Altgläubigen am Ende des 17. Jahrhunderts und am Anfang des 18. Jahrhunderts.

 

Als Folge der damaligen Kirchenspaltung und der darauffolgenden Reformen waren die russischen Altgläubige gezwungen Russland zu verlassen, um sich vor Repressionen zu schützen. Die Gegend um den Peipussee erwies sich als passend, auch wenn die Einstellung zu den Altgläubigen sowohl im Russischen Kaiserreich als auch während der Sowjetzeit nicht immer wohlwollend war. Die Altgläubigen konnten dennoch an den Ufern von Peipusee ihren Traditionen und ihrer Kultur treu bleiben. Nina, Kolkja und Varnja sind typische Fischerdörfer der Altgläubigen, wo man ihre Traditionen und ihr Leben noch am authentischsten sieht. Sie werden interessante Museen und Kapellen vorfinden.

 

In den letzten Jahren hat das Interesse an der Kultur der Altgläubigen stark zugenommen. Eine Vielzahl von Büchern wurden veröffentlicht, es finden verschiedene Veranstaltungen statt – immer mehr Materialien werden dortigen Besucherzentren und Museen zur Verfügung gestellt. Auch die NRO “Gesellschaft für die Kultur und Entwicklung der Altgläubigen in Estland” hat sich diesem Ziel gewidmet und engagiert sich aktiv.

 

Peipsimaa ist historisch gesehen ein Scheideweg dreier Kulturen – neben Esten und den altgläubigen Russen war auch der Einfluss der Deutschbalten in dieser Region stark. Das zeigt sich am Besten in den großzügig errichteten Herrenhäusern und Parks. Praktisch keiner, der die Peipsi-Region besucht, verzichtet auf die Möglichkeit das Schloß Alatskivi zu besichtigen – ein wahrhaft prachtvolles Beispiel der damaligen Baltisch-Deutschen Kultur.

 

Die einzigartige Kombination dieser drei Kulturen zeigt sich noch bis heute und wird auch mehr und mehr geschätzt.

 

Das Territorium des Peipsimaa besteht aus Gemeinden und Städten, die sich an oder in der Nähe der Peipusküste befinden – und das in den folgenden Landkreisen: Ida-Virumaa, Jõgevamaa, Tartumaa und Põlvamaa. Jeder dieser Landkreise ist auf seiner Weise einzigartig und voller Kultur – daher lohnt es sich Peipsimaa zu besuchen, sei es im Sommer oder im Winter.